Was macht eigentlich Stress mit uns? Warum zehrt er uns aus? Was machen Körper, Verstand und Gefühle in stressigen Zeiten?

Interview mit Andrea Weller im März 2017

Wie also kam es zur eigenen Stressfalle?

Begeisterung, Motivation und grenzenloser Einsatz für mein Team, für ‚mein Unternehmen‘ haben mich über Jahre hinweg erfolgreich arbeiten lassen. Ich habe für meinen Job gelebt, rund um die Uhr alles gegeben. Über 17 Jahre habe ich das Unternehmen mit aufgebaut. Dabei habe ich die Balance verloren, meine Energiereserven schwanden.

Intuitiv habe ich mich für eine Reise entschieden, die auf Körper, Geist und Seele eingegangen ist. Ich konnte auftanken und mit einigen Korrekturen meinen gewohnten Alltag bestreiten. Ausgeschlossene Lebensbereiche konnte ich wieder aktivieren.

Mit einigem Abstand wollte ich wissen, was passiert war. Ich wollte mir selbst helfen und habe unterschiedlichste Ausbildungen gestartet, die mich über Jahre getragen haben.

Heute bündle ich meine Erfahrungen und meine Ausbildungen und biete ein authentisches, individuelles Coaching an.

Wie erkennt man Stress und die ersten Anzeichen einer Stresserkrankung?

Stress, der energieraubend ist, schlaflose Nächte mit sich bringt und die Gedanken kreisen lässt, wird sehr individuell empfunden.

Liebe ich es z. B. im Tempo zu arbeiten, laufe ich dabei zur Hochform auf, wenn ich Druck verspüre, habe ich es mir ausgesucht unter diesen Umständen zu agieren, bin ich mit den Ergebnissen zufrieden und stolz auf mich, dann werde ich die Umstände nicht als stressig empfinden. Ich erhole mich schnell, sorge für mich und starte entspannt in den nächsten Tag.

Akzeptiere ich jedoch, im hohen Tempo zu leben und zu arbeiten, übernehme ich Aufgaben, Erwartungen und Regulierungen, die nicht zu mir passen über einen längeren Zeitraum, steigt der Energieverbrauch, Lebens- und Arbeitsumstände werden zu negativ bewertetem Stress.

Die Freude und Leichtigkeit, den Alltag zu meistern, geht verloren. Alles wird anstrengend, alle Personen und Begegnungen nerven. An diesem Punkt trennen sich unsere Bewusstseinsebenen. Der Verstand argumentiert ‘Der sichere Job‘, ‚Es geht nicht nur mir so, auch die Kollegin kämpft‘, ‚Da musst du durch, in ein paar Monaten wird es besser‘, die Gefühle lassen sich jedoch nicht von der Logik beruhigen, der Körper reagiert. Die Rechtfertigung der Gedanken sind erste Alarmsignale. Es sind Verdrängungsmuster, die viel Energie brauchen.

Wie entwickelt sich Stress ursächlich, wie kann er sich auswirken? Wie spüren wir es?

Eine Erschöpfung entwickelt sich individuell und sehr unterschiedlich. Sie kann auf der körperlichen Ebene zum Ausdruck kommen. Rückenprobleme, Magenschmerzen, Schlaflosigkeit und Bluthochdruck, Kopfschmerzen. Sie kann sich emotional zeigen mit Reizbarkeit, mangelnde Motivation, Gedächtnisverlust bis hin zu Panikattacken und Angstzuständen. Unsere Bewertungsgrundsätze und gewohnten Verhaltungsmuster funktionieren nicht mehr, sie werden außer Kraft gesetzt.

Körperliche und emotionale Reaktionen sind die Folgen einer dauerhaften Stresshormonproduktion, die Adrenalin, Kortisol und Noradrenalin ausschüttet. Der ‚Autopilot‘ hat sich entwickelt, um in Stress-Situationen mit Gefahren umzugehen, blitzschnell und intuitiv reagieren können. Flucht oder Kampf waren die einzigen Reaktionen unser Leben zu schützen, als das Hippopotamus Amphibius uns noch bedroht hat. Heute jedoch kann ein Chef, volle Terminkalender, körperliche Schmerzen, Konkurrenzdruck, Konflikte, Erwartungen, die Kinder und mangelnde Abgrenzung zum persönlichen Hippo werden. Die komplette Stresshormonproduktion springt an.

Gelingt es nicht, Methoden für sich zu finden, die Produktion zu unterbrechen, baut sich ein Kreislauf auf. Rückzug, Gleichgültigkeit, Gereiztheit und Gefühllosigkeit entwickeln sich zum Schutzschild. Das Leben spaltet sich in die Außenwelt, die funktionieren muss und in eine Innenwelt, die das Selbstvertrauen verliert, die eine negative Selbsteinschätzung produziert, die Erfolge nicht mehr wahrnehmen kann. Der Selbstwert, kompetent und produktiv zu sein, geht verloren, eine Opferhaltung entwickelt sich. Ein hohes Gefühl der Fremdbestimmung wird empfunden.

Das Bild der Marionette drückte in meiner Erschöpfung meinen körperlichen Zustand aus. Ich konnte mich nicht mehr bewegen, meine Gelenke und Muskeln waren kraftlos. Die Fäden haben mich bewegt, gestützt. In der Situation habe ich das als positiv bewertet. Emotional habe ich mich bewegt gefühlt, ich wurde gelenkt, getrieben, bestimmt. Mein Zwiespalt war das Durchtrennen der Fäden, die körperlich positiv bewertet waren, emotional jedoch meine Not bedeuteten.

Was sollte man tun um Stress bzw. dem Burnout vorzubeugen?

Es klingt einfach und ist doch so schwer. Sich selbst bewusst wahrnehmen, achtsam mit sich und seinen Lebenswelten zu sein, ist für mich der Schlüssel, um stressfrei zu leben, glücklich zu sein.

Für sich zu sorgen, zu spüren, was mir gut tut, zu wissen, welche Entscheidungen notwendig sind, zu fühlen, wann der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen ist, tragen dazu bei, authentisch zu sein, selbstbestimmt zu leben.

Auf welche Säulen baut Ihr Coaching auf? 

Meine Säulen im Integral Health Balance bauen auf körperlicher, mentaler und emotionaler Bewusstseinsebene auf. Meine Säulen basieren auf BEWEGUNG, ENTSCHLEUNIGUNG und ENERGIEMANAGEMENT. Mit Yoga, Entspannung, Meditation, Ernährung und Coaching bearbeite ich ‚Stress‘ in seinen Auslösern, mit seinen Verstärkern und in seinen Reaktionen.

Was ist Speed Relaxing? Wie kann man sich das vorstellen?

SPEED RELAXING … ist ein Name, den ich mit einem Augenzwinkern gewählt habe. Er spricht ein Bedürfnis an, in einem vollgepackten Tag die Zeit für sich zu finden und zu entspannen. Für sehr Viele ein Ding der Unmöglichkeit. Es resultiert daher, dass wir bei uns anfangen, die ‚gesunden‘, ‚regenerativen‘ und ‚entschleunigenden‘ Hobbys, Beschäftigungen und Timeslots zu streichen. Und gerade diese sind in einer sehr anspruchsvollen und fordernden Zeit nicht verhandelbar. In meinem Konzept SPEED RELAXING biete ich für genau dieses Bedürfnis das Effektivste an Methoden, Instrumenten, Übungen an, um schnell und nachhaltig im Alltag umsetzen zu können. Ich selbst habe lange gesucht und ausprobiert, was in der Erschöpfung helfen kann. Ein Mix aus BEWEGUNG, ENTSCHLEUNIGUNG und ENERGIEMANAGEMENT sind in modernen TrainingDays arrangiert.

Im Blog von Gioia Di Vivere wird von Tankstellen gesprochen. Was sind Tankstellen und welche Voraussetzungen sollten sie mit sich bringen?

Tankstellen sind effektive und individuelle  Bausteine im modernen Stressmanagement, kraftvoll und nachhaltig für sich in der schnellen Zeit zu sorgen. Sie können auch Bausteine sein, sich auf eine stressige Zeit und hohe Ansprüche vorzubereiten.

    • Tankstellen müssen aus Verpflichtungen und Erwartungen herausholen können. Es muss gelingen, abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. Das beste Beispiel, wie es funktionieren kann, zeigen die Kinder. Sind sie vertieft in ihr Lieblingsspielzeug, blenden die Welt komplett aus. Das Gedankenkarussell wird unterbrochen.
    • Tankstellen müssen auf dem Alltagsweg liegen, sich ohne großen Aufwand planen und sich ganz pragmatisch in den Alltag einfügen lassen. Ein hoher Organisationsaufwand, eine intensive Verteidigungs- und Erklärungsstrategie und große Widerstände werden die benötigten Tankstellen nicht zum Vergnügen und schon gar nicht zum Auftanken werden lassen. Denn der Energieeinsatz zum Genießen ist viel zu hoch.
    • Tankstellen sollten ohne schlechtes Gewissen zu genießen sein, eine der größten Herausforderungen im vollgepackten Alltag. Es könnte gelingen, wenn im Time Management der regelmäßige Agendapunkte TANKSTELLE eingeplant wird. Zeit ist geblockt, die To Do-Liste für den Tag entsprechend gefüllt. Die Tankstellen-Zeit wird planbar und möglich. Ein Stehlen erübrigt sich, das schlechte Gewissen, keine Zeit zu haben, beruhigt sich.
    • Tankstellen sollte auf weitere Leistungskriterien verzichten. Höher, schneller, weiter … die Attribute spielen bereits im täglichen Leben eine Rolle. Die Idee, schnell und effektiv aufzutanken, lässt sich besser erfüllen, wenn die Routinen des Tages durchbrochen werden. Loslassen, sich unbeschwert fühlen, träumen, bei sich sein … es gibt mehr im Leben als nur zu leisten.
    • Tankstelle sollten gerne angefahren werden. Begleiten Spaß und Freude die Vorbereitung und intensivieren sie die Genießerzeit, wird aus dem Normalbenzin das Powerelixier.

Tankstellen stellen Energie dann zur Verfügung, wenn sie gebraucht wird. Wir können unser Leben nicht ‚entstressen‘. Wir können jedoch lernen, bewusst mit Anforderungen umzugehen und für uns zu sorgen.

Das komplette Interview habe ich mit Danielle Fußstetter geführt. Auf www.kuechenrock.de ist es komplett veröffentlicht.

Andrea Weller

Coach für Stressmanagement und Burnout-Prävention, Life Coaching, Business Coaching

Neu: Mai und Oktober 2017 – Workshop SPEED RELAXING® – Vol. 1
Sehr neu: Juni 2017 – Workshop SPEED RELAXING® – Vol. 1 im Hotel Alpine Palace*****s in Österreich

www.GioiaDiVivere.de/Termine

www.speed-relaxing-muenchen.de/termine