Burnout Prävention mit Andrea Weller

Stress – Alles wird zu viel. Die Ursache Nr. 2 für Krankheitsausfälle.

Aktuelle Studie von TNS Infratest – SZ 12.11.2015.

Wir alle kennen die Situationen, in denen alles zu viel wird. Wie lebendig sind uns noch Termine für Klausuren und Diplom-Arbeiten, Umzüge und Bewerbungsgespräche im Kopf? Wie aufregend, beanspruchend und mitreißend waren Veränderungen, Jobwechsel, Abschiede, wichtige Entscheidungen in unserem Leben? Wie viele schaflose Nächte und Sorgen haben uns einschneidende Erlebnisse beschert?

Seit einigen Jahren kommen nun zu den bekannten Lebensumständen und Lebenssituationen weitere ‚moderne‘ Errungenschaften in der digitalen Welt dazu, die uns offensichtlich umhauen. Sie erlauben uns nicht mehr, nach anstrengenden Phasen zu entspannen, Luft zu holen, zu trauern, sich zurückzuziehen.

Eine globale Arbeitswelt fordert Erreichbarkeit in allen Zeitzonen. Die digitale Technik ermöglicht ein Empfangen und Senden von Nachrichten, Entscheidungen und To Do’s rund um die Welt, rund um die Uhr. Die mobilen Geräte beschleunigen auf allen Informations- und Kommunikationskanälen, nahezu flexibel an jedem Ort.

Wer kann dazu schon NEIN sagen.

Die Vorteile und Unabhängigkeiten lassen sich grandios für die Organisation des Privatlebens, in den fordernden, jonglierenden Lebensbereichen nutzen.

Wunderbar.

Doch längst überwiegen nicht nur die Vorteile von grenzenloser Produktivität, skalierbarer Steigerung und persönlicher Freiheit.

Die Stimmung ist gekippt, die Krankentage sprechen eine deutliche Sprache.

Die aktuelle Diskussion von Politik, Gewerkschaften und Unternehmen erscheint mir wenig modern und integral. Die alten Muster von Kommunikation und Bewertung sollen ein modernes, sich ständig entwickelndes Thema lösen? Ein Anti-Stress-Gesetz soll unser Leben regeln?

Regelungen werden von den Gewerkschaften gefordert, die Politik bemüht sich um die Definition von ‚gutem Betriebsklima‘. Die Unternehmen setzen auf freiwillige Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiter.

So kommen wir nicht weiter.

Eine moderne schnelle Zeit braucht Flexibilität und keine starren Regeln. Standard-Definitionen zu finden werden individuellen Lebensumständen und Stressempfinden nicht gerecht. Teams als unerschöpfliche Ressourcen zu betrachten, wird kein Unternehmen langfristig erfolgreich machen.

Übernehmen wir in unseren Rollen Bewusstsein und Verantwortung – als Partner, Kollegen, Vorgesetzte, Kinder, Eltern, Freunde und Unternehmen. Tauschen wir uns aus, diskutieren über klare Konzepte und Strukturen, um selbstbestimmt zu bleiben und flexibel agieren zu können.

Fördern, schulen, begleiten und unterstützen wir uns gegenseitig, um unsere Werte in Verantwortung, Empathie, Offenheit, Respekt zu verstehen und zu leben. Lernen wir gemeinsam mit Schwäche, Hilflosigkeit, Ängsten und mangelnder Wertschätzung umzugehen und überlegen, was wir tun können. Rüsten wir uns mit einem gesunden Selbstwertgefühl auf.

Denn es liegt in unserer Hand, in unserem Bemühen, offen zu sein, zu verstehen und wieder die Vorteile zu nutzen. Für Individuen und erfolgreiche Unternehmen gleichermaßen.

Schaffen wir uns eine moderne Arbeits- und Lebenskultur.

Foto © fotolia / alphaspirit